News vom 02.06.2020

EnergieAgentur.NRW | Projekt des Monats | Juni 2020

Nahwärme aus KWK in Olfen: dezentrale Erzeugung – zentrale Steuerung

Die Stadt Olfen hat sich bei der Weiterentwicklung der Energieversorgung der Stadt ambitionierte Ziele gesetzt: Die Energieerzeugung soll nachhaltiger werden, die Versorgung aber wirtschaftlich und sicher bleiben. Um diese Ziele zu erreichen, hat „GENREO“, eine Kooperation der Stadt Olfen mit Gelsenwasser, ein Konzept der dezentralen Erzeugung und zentralen Steuerung umgesetzt.

Die beiden GENREO-Geschäftsführer Dirk Wessling und Bürgermeister Wilhelm Sendermann zeigen Marc Henrichmann, MdB, das neue BHKW an der Grundschule.
Foto: Büro Marc Henrichmann

Die beiden GENREO-Geschäftsführer Dirk Wessling und Bürgermeister Wilhelm Sendermann zeigen Marc Henrichmann, MdB, das neue
BHKW an der Grundschule. Foto: Büro Marc Henrichmann



Dezentrale Erzeugung


Ausgangspunkt des Konzeptes ist „OlfenKWK-Net Mikro-Grid Stadt“, mit dem es die Stadt 2014 im Wettbewerb um den Titel "KWK-Modellkommune des Landes NRW" in die Finalrunde geschafft hat: ein durch Kraft-Wärme-Kopplung gespeistes Strom- und Wärmenetz im Olfener Zentrum unter Integration intelligenter Speicher- und Steuerungstechnik. Das Konzept zur Wärmeversorgung der öffentlichen Gebäude mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wurde unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten weiterentwickelt, sodass heute alle sanierten oder neugebauten Gebäude mit einer KWK-Anlage ausgestattet sind: wie zum Beispiel die neue Flüchtlingsunterkunft, der Neubau der Grundschule (Wieschhofschule) oder der Feuerwehr Vinnum.

 

Schematische Darstellung des Konzepts zum Wettbewerb KWK-Modellkommune.
Quelle: Gelssenwasser AG

Schematische Darstellung des Konzepts zum Wettbewerb KWK-Modellkommune. Quelle: Gelssenwasser AG

 

Insgesamt wurden bisher über 500.000 Euro in drei BHKW und Nahwärmenetze investiert, die sich über die Vertragslaufzeit von zehn Jahren amortisieren. Insgesamt wurden bisher 578 Meter neue Nahwärmeleitung verlegt. „Der Einsatz der BHKW führt bei diesen Gebäuden zu einer Optimierung bei den baulichen und anlagentechnischen Maßnahmen und damit zu geringeren Kosten“, hebt Hendrik Baschek, Gesamtprojektleiter der Gelsenwasser AG, die weiteren Vorteile der KWK-Technik hervor.

 

Screenshot aus der Fernüberwachung über die Temperaturen in den Verteilungsanlagen.
Quelle: Gelsenwasser AG

Screenshot aus der Fernüberwachung über die Temperaturen in den Verteilungsanlagen. Quelle: Gelsenwasser AG

 

Der Brennstoffnutzungsgrad von KWK-Anlagen ist durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme teilweise doppelt so hoch wie bei getrennter Erzeugung - und durch die dezentrale Erzeugung in KWK-Anlagen werden zudem Netzverluste vermieden. Im Jahr 2019 wurden 500.000 kWh Wärme und 73.000 kWh Strom produziert.

 


Digitale zentrale Steuerung


Die Olfener Anlagen werden über eine Glasfaserverbindung 24 Stunden am Tag von Gelsenwasser überwacht. Die Situation, dass die Heizung sonntags kaputtgeht und dadurch am Montag die Schule ausfallen muss, weil es niemand gemerkt hat, wird es damit nicht mehr geben, denn durch die zentrale Steuerung wird ein Ausfall unmittelbar registriert, der zuständige Installateur verständigt und der mögliche Schaden behoben.

 

Die Wieschhofschule in Olfen.
Foto: Stadt Olfen

Die Wieschhofschule in Olfen. Foto: Stadt Olfen

 

Langfristig sollen über die zentrale Steuerung auch Synergien auf Seiten der bedarfsgerechten Stromerzeugung in Olfen genutzt werden. BHKW sollen dann laufen, wenn Strom gebraucht wird, und die nicht benötigte Wärme wird vor Ort zwischengespeichert. „Dass Heizungen oder Lüftungen nächtelang oder in den Ferien durchlaufen, wird es in Olfen nicht mehr geben“, zeigt sich Bürgermeister Wilhelm Sendermann auch von den Auswirkungen des Steuerungskonzepts auf die Energieeffizienz überzeugt. Die Überwachung der Anlage in der Grundschule ist auch in die allgemeine Gebäudesteuerung integriert. So können Heizung, Lüftung, Beleuchtung und Sonnenschutz zentral gesteuert und auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt werden.

Die weitere Umrüstung der Anlagen erfolgt nach einem konkreten Zeitplan. Bis 2022 werden alle öffentlichen Gebäude mit der effizienten KWK-Technologie ausgestattet sein. Insgesamt sollen sieben BHKW installiert werden, die 15 Gebäude mit Wärme und Strom versorgen. Bereits jetzt werden durch die drei abgeschlossenen  Projekte pro Jahr 86 Tonnen CO2 eingespart.

 

Screenshot aus der Fernüberwachung über den aktuellen Zustand der Lüftung.
Quelle: Gelsenwasser AG

Screenshot aus der Fernüberwachung über den aktuellen Zustand der Lüftung. Quelle: Gelsenwasser AG

 


Zur Nachahmung empfohlen


Die integrierte Wärme- und Stromversorgung durch KWK-Anlagen in öffentlichen Gebäuden hat Vorbildcharakter“, schwärmt Margit Thomeczek, Leiterin der Kampagne KWK.NRW – Strom trifft Wärme“ der EnergieAgentur.NRW. „Wir hoffen, dass dieses Konzept viele kommunale Nachahmer findet und gratulieren der Stadt Olfen und Gelsenwasser zum Projekt des Monats der EnergieAgentur.NRW.“

 


Ansprechpartner

Dipl.-Geogr. Margit Thomeczek
Leiterin KWK, Nah- und Fernwärme, Kraftwerke der Zukunft
EnergieAgentur.NRW
0211 86642294
thomeczek@energieagentur.nrw

Marvin Klejdzinski M. Sc.
KWK, Nah- und Fernwärme, Kraftwerke der Zukunft
EnergieAgentur.NRW
0211 86642247
klejdzinski@energieagentur.nrw